Das ist ein schwieriges und ein komplexes Thema. Ich berichte, was mir in diesem Monat dazu aufgefallen ist, was ich zufällig gesehen, gelesen, gehört und erlebt habe. Ich erhebe keinen Anspruch auf irgend etwas, manche mögen mehr und besseres wissen.
Wenn ich reise, nehme ich jetzt nur noch das kleinste Senioren – Frühstück, zB zwei Rühreier, zwei Scheiben Speck, einen Berg Rösti, Toastbrot und unbeschränkten Kaffee. Nach dem Essen schreibe in mein Tagebuch und trinke Kaffee. Von den 7.59$ sind 61 Cent Verkaufstaxe, das sind Gemeinde-Einnahmen.
Im Einkaufszentrum kaufe ich eine Schoggi für 99 Cent. Zwei würden 1$ kosten, ich brauche aber nur eine. Ähnlich geht es mir auch bei den übrigen Einkäufen. Im kleinen Laden auf dem Land aber bezahle ich oft das doppelte: Nur so kann der Kleine überleben. Er wird aber bald schliessen müssen, die Leute mit Auto fahren 50 km zum Supermarkt, das Benzin kostet nur 1$ pro Liter.
Auch für den Staat läuft es nicht mehr so gut, er muss sparen. Das (republikanische) Parlament spart bei der Gesundheitsversorgung, bei der Kultur, beim öffentlichen Verkehr, bei den Lehrern und den Schulen, den Pensionskassen seiner Angestellten. Gleichzeitig werden die Steuern für die grossen Firmen und Einkommen gesenkt, das um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
Eigentlich ist nicht weniger Geld vorhanden als vorher, aber es wird neu verteilt: Der schon geringe Lasten- Ausgleich zwischen Reich und Arm wird weiter demontiert, die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer, rasch und gründlich. „Sozial“ ist unamerikanisch, von vielen Politikern wird es als Schimpfwort gebraucht. (Blocher lässt grüssen)
In Los Angeles wohnte ich bei Ann und Sergey. Sergey ist im Kaukasus geboren und hat in Moskau Mikrobiologie studiert. Vor 17 Jahren wurde er als Forscher an die „University of California“ berufen. Er arbeitet an molekularen Mikromaschinen. Er besitzt den Russischen und den Amerikanischen Pass, und er hat Erfahrung in beiden Systemen. Als Forscher lässt er sich schlecht manipulieren, er geht den Dingen auf den Grund.
Seine Schlüsse: Als unpolitischer und gut ausgebildeter Bürger ging es Sergey in der Sowjetunion um einiges besser als hier: er hatte bezahlte Ausbildung, sicheren Arbeitsplatz, ein unentgeltliches Gesundheitssystem, bezahlt Ferien, staatliche Altersrente. (In den USA hat er nichts davon, da muss er für alles kämpfen). Es gab zwar keinen Überfluss, aber für ein einfaches und gesundes Leben hat es gereicht. Sergey hat in der UdSSR fast alle seine Forschungsarbeiten in Englisch veröffentlicht. Einen „Amerikanischen Feind“ kannte man nicht. Die USA waren so weit weg, und man hatte andere Sorgen. Er war nie in der Partei, aber er konnte an der besten Universität doktorieren.
Interessant für ihn ist heute das Reisen: Von den USA nach Russland ist das kein Problem. Aber Russische Ehepaare erhalten von den USA keine Besuchervisa. Entweder der Mann oder die Frau muss in Russland bleiben (Ausser man benötigt einen guten Forscher).
Wenn überhaupt, dann funktioniert in Amerika die Demokratie höchstens auf Gemeinde-Ebene. Überall sonst braucht man Millionen für Werbung, wenn man etwas bewegen will: Hier bestimmt die freie Marktwirtschaft.
Nach dem Untergang des Sozialismus steht jetzt die Freie Marktwirtschaft am Abgrund, und sie muss auf Kosten der Bürger gerettet (oder verlängert?) werden. Wann ist es Zeit für einen mittleren Weg?

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