Am
Abend fahren wir zu viert mit dem Picup durch den Regen zu Stephen's.
Zuerst 20% steil im 4wheel drive den Berg hoch, dann 500m weit auf
der Teerstrasse, dann auf der Little Creek (dirt-)Road den Berg
hinunter zur schmalen Holzbrücke und wieder hinauf aufs Plateau.
Alles im Wald. Die Strasse ist schmal und kurvig, die gewaltige Bäume
stehen hart am Strassenrand, unsere Geschwindigkeit beträgt 10 mph
(16 km/h). Überraschend kommt ein grosser und schöner Weinberg,
eine Tafel (Pivate Property, Keep Out) und nochmals ein Weinberg,
wieder mit Tafel, und nach 45 Minuten kommen wir über eine Fahrspur
zu Stephen's Haus. Im hell erleuchteten Fenster sehen wir Leute in
der Küche hantieren .
Durch
den Regen bringen wir unsere Schachteln mit Essen und Getränken und
zwei Klappstühle zum Haus und beegrüssen die Leute: nice to meet
you. Stephen, der Hausherr, empfängt uns. Er ist gross, herzlich und
sehr beschäftigt mit seinen 12 Gästen. Mich fragt er, ob ich der
Guy von Sweden sei. (Au, nicht schon wieder!) Doch ich soll mich
getäuscht haben, er habe vor Jahren einen Schweden getroffen, der
mir ähnlich sah. (Vielleicht, denke ich).
Stephen
hat sein Haus selber gebaut, über Jahre hinaus, und immer wieder
angebaut. Die alten Teile hat er gelassen wie sie waren. Ich habe
noch nie solch ein Haus gesehen, für mich ist es ein Haus der
Gefühle. Später erfahre ich von Stephen, dass er in Hollywood mit
Licht und Ton gearbeitet hat. Er war auch Lehrer für Kunst an einer
Universität, er hat Plastiken geschaffen, und er hatte ein Geschäft
in San Francisco. Er kann mir nicht genau sagen, seit wann er hier
draussen lebt und baut.
Ashley
und Fergusson, ein junges amerikanisches Paar, kennen sich in
Stephen's Küche schon aus. Sie wohnen für ein Jahr als Wwoofer auf
Kurts Hof. Die Leute bringen ihre whoofers zu diesen Treffen mit.
Ihre
„Sklaven“ wie sie sie manchmal liebevoll nenenen.
Den
freundlichen 20-jährige John kenne ich schon, er kommt jeden
Donnerstag zu Jim und Sharon zum Musizieren und zum Essen. Seine
Eltern sind erfolgreiche Gartenarchitekten, und sie wohnen schon
lange wieder in San Francisco. John lebt allein im alten Haus mit dem
grossem Garten und dem Treibhaus, hier irgendwo im Wald. Er hat keine
Schule besucht, Lesen und Schreiben hat er bei seinen Eltern gelernt.
Geige spielt er ab CD's, fürs Brennholz fällt er die Bäume
selber. Er besitzt ein schweres Motorrad. Mit dem möchte er durch
die USA und durch Europa fahren. Er hat gerade ein Buch geschrieben,
"Dark Light", das er im Internet vermarkten will.
Der
ältere und gemütliche John hat seine neue Freundin Susan
mitgebracht. Man diskutiert, wie man sie eiornen soll: Bekannte von
John, Freundin, girlfriend? Man einigt sich auf „John's Lover“.
Sie kam vor 28 Jahren aus Dublin und lebt in San Francisco, und sie
legt Wert auf ihr Irisches Englisch.
Das
Fleisch ist jetzt
gebraten, und jeder bringt seinen Stuhl mit an den Tisch. Meiner ist
sehr niedrig, ich sehe alles von unten. Es ist eng und gemütlich,
die Speisen sind meistens scharf. Alle haben Wein mitgebracht, und
John eine Menge Schnäpse. Man tauscht Neuigkeiten aus, dann kommt
die Politik. Das verbindet hier die Leute, ihre Abscheu vor dem
"american way of life" und vor der Politik Washingtons:
Macht, Geld, Imperialismus. Der Betrug mit der Demokratie, die längst
keine mehr ist, in deren Name schmutzige Kriege geführt werden. Man
ist sich einig. (nicht ganz, das kommt noch).
Man
ist sich aber auch einig, dass es fast allen Leuten hier in Amerika
sehr gut geht, im Vergleich mit der Rest der Welt, Westeuropa
ausgenommen. Es gibt auch viel Gutes in Amerika, die meisten lieben
ihr Land. Doch weil sie es lieben, kämpfen sie für mehr
Aufrichtigkeit, für mehr soziales Gedankengut, für ein
friedlicheres Zusammenleben, gegen das korrupte und allmächtige
System von Grossen Gesellschaften, Banken, Politikern und Militär.
Susan
sieht das anders. Sie ist als 20jährige aus Irland nach Amerika
gekommen, sie verdankt diesem guten und grosszügigen Land
alles. Nach ihrer Überzeugung ist niemand hier berechtigt, am
eigenen Vaterland Kritik zu üben. Susan ist dominant, sie fällt
jedem ins Wort, sie spricht schneidend und laut und sie lässt andere
Argumente nicht gelten. Die Runde bleibt höflich, Susan ist neu hier
und ziemlich betrunken. Es tut auch gut, eine andere Meinung am Tisch
zu haben. Zwischendurch sagt sie, nur zu mir, es tue ihr leid, dass
sie sich so unmöglich benehme.
Man
zügelt in die Stube, wo Jim, Carl der Schwede und John der Geiger
aufspielen. Als sie Irischen Musik spielen, tanzt Susan wild dazu.
Dann stolpert sie und schlägt schwer mit ihrem Kopf auf den Boden.
Dann gehen John und Susan nach Hause. Zu Fuss, sie können nicht mehr
Auto fahren.
Das
Aufräumen in diesem Chaos ist auch ein Chaos. Um zwei Uhr sind wir
wieder zurück in unserem immer so aufgeräumten Haus.
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