In Healdsburg war ich zwei Tage lang allein im Haus. Am ersten Abend sah ich mir den alten Film "When Harry met Sally" an. Die Amerikaner sind den Europäern im TV immer noch voraus: ich glaube, dass die Werbe - Unterbrechungen etwa so lange waren die Filmstücke dazwischen.
Am zweiten Abend habe ich herumgezappt: meistens Serien. Bei "Dr. OZ" blieb ich hängen. Anscheinend eine Talkshow. Vorne etwa 10 Frauen, die meisten in amerikanischen Militäruniformen. Die Sendung hiess "Women Of War" (Frauen im Krieg) zum ersten Mal kämpfen im Irak und in Afghanistan amerikanische Frauen an der Front mit.
Und so habe ich den Ausschnitt erlebt:
Das Bild einer bewaffneten Frau in voller Ausrüstung. Dann eine zusammen geschnittene Sequenz: Ein Patrouillenfahrzeug fährt auf eine Mine (filmreifer Feuerball, Gewehrfeuer. Eine Frauenstimme: ein Schlag, höllischer Schmerz, ein Bein von mir ist weg, ich werde sterben. Dann eine Szene mit rennenden Sanitätern mit Tragbahren und mit Helikoptern. Dann Bilder aus einem Spital, Rehabilitation. Die Frau im Rollstuhl in der Küche, in Skiausrüstung, sie hüpft zu ihrem Auto, sie springt in ein Schwimmbecken. Ende des Films, er wird hell im Saal.
Die Frau sitzt jetzt in den vordersten Reihe, strahlt und winkt in die Kamera. Applaus aus dem Publikum.
Dr. Oz begrüsst sie, stellt Fragen an sie:
Wie sie den Weg ins Leben zurück gefunden habe?
Das sei sehr schwer gewesen, aber Familie und Freunde seien wichtig gewesen, und etwas zu finden, was sie begeistert.
Was ihr in den Sinn komme, wenn sie an ihren Militärdienst zurück denke?
Das war eine sehr gute Zeit. Sie habe viel gelernt, viel Gutes erlebt (gute Kameraden, Unterstützung...), und sie sei froh, dass sie diesen Weg gewählt habe. Sie würde es wieder som achen. Sie strahlt stolz.
Dr. Oz fragt die anderen Militärfrauen, wem es ebenso gegangen sei. Alle strecken auf! Grosser Applaus aus dem Publikum.
Das ist krank, denke ich. In was für eine Scheiss - Sendung bin ich da geraten?
Meine Freunde, die ich frage, können mir nicht helfen, sie sehen kein TV. Später gehe ich im Internet auf die Suche. Ich kann die Szenen nochmals anschauen. Meine Erinnerung stimmte ungefähr, auch das letzte Statement. Amerikaner sind da anders als ich. Ich sehe es als einen meiner grossen Fehler an, dass ich mehr als das absolute Minimum an Militärdienst geleistet habe, und das in unserer Spielzeugarmee.
Aber die Sendung von Dr. Oz finde ich jetzt trotzdem sehr gut: er beschönigt nichts.
Er behandelt die akuten Probleme von Frauen nach dem Kriegsdienst:
1. Post Traumatic Stress Disorder, unter dem Frauen noch mehr leiden als Männer
2. Obdachlos nach dem Militärdienst
3. Sexuelles Trauma nach Übergriffen von "Kameraden"
4. Probleme im Familienleben: nach dem Kriegsdienst ist die Frau eine andere Person.
Hier zwei amerikanische links zu dieser Sendung:

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