Am Sonntag Nachmittag ist Theo, mein Chef, mit seinem 34-jährigen Mercedes 300D von einem Besuch zu seinem Haus in den Bergen zurück gekommen. Er hat eine Ladung leere Plastikbidons und 300 kg Felsbrocken mitgebracht. Sein 1977er Kombi läuft mit gebrauchtem Frittieröl, das er in Imbisslokalen abholt und filtriert. Dazu benötigt das Auto einen Zusatzfilter und eine Treibstoffheizung. Theo besitzt vier Mercedes vom gleichen Typ, einen als Ersatz und zwei als Ersatzteillager. Daneben besitzt er auch noch vier Picup Trucks, im selben System.
Nachdem er die Felsbrocken ausgeladen hat, baut er neue Gartenbeete, 60 cm hohe Bretterkisten mit einer Drahtnetzeinlage am Boden, gegen der Mäuse. Ich jäte ein lästiges Unkraut, das sich in der Regenperiode breit gemacht hat. Dann wässern wir die Himbeeren und die jungen Apfel- und Aprikosenbäume. Im Sommer, der jetzt bald beginnen sollte, herrscht hier auf 900m ein Wüstenklima. Wer hier pflanzen und leben will, muss den Winterregen in grossen Tanks speichern. Theo besitzt 8 Tanks. Er hat alle Verbindungs- und Bewässerungsleitungen selber verlegt, und er pumpt jeweils Wasser in die oberen Reservoirs. Der Strom kommt vom Solarpanel, das er noch etwas verbessern will. Eine öffentliche Wasser- und Stromversorgung gibt es hier nicht.
Während ich seine drei Araberpferde füttere und striegle, reinigt Theo am Auto die Ölfilter. Dann fährt er zu seinen Ersatzwagen und kommt mit zwei schweren runden Metallstücken zurück, Bremsscheiben. Auf der Heimfahrt hat er ein Geräusch gehört und zu Hause sofort das Rad entfernt und nachgesehen. Hinten links ist eine Bremsscheibe gebrochen
Theo ist Primarlehrer an einer Rudolf Steiner Schule in Monterey, drunten am Meer. Morgen beginnt die Schule, das Auto muss fahren. Zuerst schleift er den Rostbelag vom besseren erhaltenen Ersatzteil. Dann baut er eine neue Handbremse ein, die alte war schon länger kaputt. Es ist dunkel, Theo liegt im Wald auf einem Kartonstück unter dem Auto, er arbeitet mit der Stirnlampe am kniffligen Zusammenbau von Federn und Bremsbacken.
Dann montiert er die Bremsscheibe. Ein unmögliches Design, sagt er. Während er konzentriert arbeitet, erzählt er Julia, der fünfjährigen Tochter seiner Freundin, ein Märchen von Fröschen und Störchen.
Nach zwei Stunden ist die Scheibenbremse repariert. Seine Freundin hat ein Nachtessen gekocht. Draussen ist es kalt geworden, drinnen am Tisch ist es schön warm. Theo hat sein grosses Haus selber gebaut, „mit etwas Hilfe“, Minergiestandard und ein tolles Design. Er hat alles hier oben selber gebaut.
Nach dem Essen arbeitet er weiter. Ich bin schon in meinem Schlafsack, als er eine Proberunde fährt. Alles ist wieder OK.
Zu Theo: Er hat in Stanford Geologie und Umweltwissenschaft studiert und einen Lehrerabschluss gemacht. Er hat besitzt ein Segelboot, zwei Seekajaks, er taucht, fährt Mountainbike und Tourenski, hat momentan kein Geld und sieht gut aus. Er ist freundlich und zuvorkommend. Er ist überzeugt davon, dass der Mensch der Natur helfen kann. Er pflanzt Oliverbäume, Apfel-, Kirsch-, und Pfirisichbäume, Reben, Kakteen, Himbeeren, Gemüse und anderes, und er verkauft Brennholz. Er hat noch viele Pläne, und ich bin sicher, dass er sie verwirklichen wird.
Er lebt so, dass er nicht in die Ferien fahren muss. Ich bin jetzt seit 5Tagen Theos Helfer.

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