Dienstag, 31. Mai 2011

P.

Als ich zum ersten Mal in Palo Alto war, habe ich P. geholfen, die Klinkersteine beim Garteneingang meiner Gastgeberin neu zu versetzen. P. ist Mexikaner, er lebt wie hunderttausend andere illegal in den USA. Er spricht nur nur wenig Englisch, und er kann wenig lesen und schreiben.

Ich wollte von meiner Gastgeberin M. mehr über P. wissen.

P. ging in Mexico 2 Jahre lang zur Schule, dann starb seine Mutter. Von da an musste er für seine älteren Geschwister, die schon arbeiteten, das Essen bereiten. Als er etwas älter war, schleppte er auf dem Bau Zementsäcke. Mit 18 schaffte er es über die Grenze nach California. Da sah ihn M. auf der Strasse, und sie stellte ihn für ein paar Gartenarbeiten an.
Heute ist P. einunddreissig. Er macht immer noch Gartenarbeiten, und er kann immer noch nicht legal in den USA arbeiten. Aber er hat Karriere gemacht. Er besitzt 2 Picup Cars, Mäher, Bläser und alle Arten von Werkzeugen. Er macht auch kleinere Umbauten. Er hat ein Bankkonto, eine Creditcard, einen Telefonanschluss, eine Geschäftskarte und einen ziemlich grossen Kundenstamm, zu dem viele Leute in der Umgebung von M. gehören. Er arbeitet schnell und zuverlässig, er ist sehr geschickt, und er ist beliebt. Für M. arbeitet er nur noch, wenn er Zeit hat.

Er besitzt eine legale Wohnung, in der er auch Zimmer an illegale Mexikaner vermietet, was wiederum legal ist. Er hat keinen Fahrausweis, den kann er als Illegaler nicht erwerben. Er hat eine Frau und drei Kinder. Die leben jetzt wieder in Mexico, wo er ein Haus gebaut hat. Er ist nicht verheiratet. Zwei seiner Kinder sind Amerikaner, sie sind in den USA zur Welt gekommen. Er hat jetzt eine mexikanische Freundin. Diese ist Amerikanerin, und sie möchte ihn heiraten. Er wäre dann legal in den USA. Aber das gäbe wieder eine Menge neuer Probleme.

M. hilft P. manchmal im Umgang mit Wohnungsvermietern und öffentlichen Diensten. Das ist für Illegale recht schwierig, und oft auch recht teuer.

Montag, 30. Mai 2011

Letzte Tage in California


Noch 24 Stunden, dann fliege ich in die Schweiz zurück. Ich habe zur Probe schon mal gepackt. Mein Zelt kann mitkommen, meine "Küche" und meine Schuhe bleiben hier. Die Reisekleider liegen bereit.

Gestern und vorgestern bin ich mit der Bahn von Palo Alto nach San Francisco gefahren. Den ersten Tag habe ich am Pier 39 verbracht, ich bin mit dem Cable Car gefahren und ich habe ein Freiluftkonzert besucht: John Coltrain (das Publikum war mehrheitlich meine Generation). Und wie immer in fremden Städten bin ich stundenlang zu Fuss unterwegs gewesen. Am Abend war ich ziemlich müde.

Gestern habe ich das "SFMOMA" besucht, das San Francisco Museum of Modern Art. Ein roter Backstein - Bau mit einem riesigen schrägen weissen Oblicht, entworfen vom Tessiner Architekten Mario Botta. Die erste halbe Stunde sass ich gemütlich bei einem echten Capuccino, ich liebe diese Museum - Cafes.


Das Gebäude sieht eher klein aus, die Hochhäuser daneben sind 15 Stockwerke höher. Es ist aber innen viel grösser als aussen, und wenn man dann durch die Ausstellungen geht wird es riesig.

Ich begann im 3. Stock. Photography: "Picturing Modernity" und "Eadweard Muybridge", Fotos von 1870 - 1910, aus der Zeit meines Urgrossvaters.

Dann in den 4. Stock mit der grossen Sonderausstellung. "The Steins Collect: Matisse, Picasso, and the Parisian Avant-Garde". Die steinreichen Geschwister Stein fuhren 1903 nach Paris. Dort lernten sie Matisse, Picasso und andere junge Künstler kennen, unterstützten sie, erwarben ihre Bilder und wurden zu einem Mittelpunkt der Kunstszene.

Ich verbrachte eine spannende Zeit in dieser Ausstellung, die Stein - Sammlung ist ausserordentlich, und ebenso ausserordentlich war ein Teil des Publikums (ich gehörte zum andern Teil).

Meistens habe ich nach zwei Stunden genug von einem Museum, aber hier interessierten mich auch noch die anderen, moderneren Ausstellungen. Nach so viel wilder Natur brauchte ich die Kultur.

Heute nimmt mich May, meine Gastgeberin, mit nach Santa Cruz, wo sie wieder eine Antik - Auction besucht (siehe Blog vom März). Ich werde meine letzte Amerikazeit gemütlich in der Stadt und im Vergnügungspark am Meer verbringen. Santa Cruz soll interessant sein.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Grössenordnungen


Ich habe jetzt fast drei Monate in Californien verbracht, in nur einem der 50 Staaten der USA. Aber was Grössenordnungen angeht, musste ich auch so umdenken.

Ich fuhr von Süden her der Küste entlang und kam nach Los Angeles. Mein Ziel war die Steiner Avenue im Stadtteil Santa Monica. Eigentlich hätte ich jetzt anhalten und die Karte studieren wollen, aber bei starkem Verkehr auf vier Spuren geht das nicht. So zweigte ich in den Mac Arthur Parkway ab( weil der Name mir imponierte). Noch zweimal rechts abbiegen, und ich konnte endlich auf einem Bürohausparkplatz anhalten, wo ich heraus fand, dass ich im Stadtteil Irvine war. Ich prägte mir dann den weiteren Weg ein: Birch - Jamouree - Interstate 405 Nord - Interstate 10 West - Lincoln - Marine - Steiner, zusammen etwa 65 km, alles in Gross Los Angeles. Am nächsten Tag ging es nochmals 80 km weiter nach Norden. Dann war ich wieder aus der Stadt heraus.

Mein Ziel war Cedar Grove im King's Canyon National Park in der Sierra Nevada. In diesem Park gibt es keine Tankstellen. Auf dem Hinweg 145 km, auf dem Rückweg nochmals 110 km. Es lohnt sich, den Benzinstand vorher zu kontrollieren.

Die Sierra Nevada zieht sich von Süden nach Norden durch California. Fast das gesamte Gebiet ist öffentliches Land: Staatspark, Nationalpark, National Forest, Militärgebiet: 750 km lang und 80 km breit, anderthalb mal die Fläche der Schweiz.






Auch die Bäume sind grösser als zu Hause.

Ich glaube nicht, dass mein Urgrossvater Goldgräber wurde

Mein Urgrossvater Albert Hanselmann war der Reihe nach Lehrer, Ehemann, Vater, Lieutnant, Fabrikant, Konkursit, Auswanderungsagent. 1881 fuhr er nach Amerika, seine Frau mit den sechs Kindern liess er vorläufig zurück. Nach neun Jahren, über die wir nichts wissen, war er wieder da um "seine" Familie holen. Doch meine Urgrossmutter Katharina wollte nichts mehr von ihm wissen. So fuhr er nochmals allein nach Amerika. Dann verliert sich seine Spur. (Ich habe eine ausführlichere Familiengeschichte aufgeschrieben).

Gold hat eine grosse Bedeutung in der Geschichte von California. Als Reisender muss man eine Ghost Town besuchen. Ich war im Norden, in Bodie, wo um 1880 herum sechs Tausend Goldsucher auf 2500 Höhe Jahre lang geschuftet und gehaust haben. Überall sind zerfallene Stollen. Tafeln warnen vor dem Einstieg, ich habe es auch nicht versucht. Ein paar ihrer Häuser sah ich noch, im Schnee. Minus 20 Grad ist hier im Winter normal, und oft stürmt dazu. Holz war knapp, Isolation gab es keine. Das muss ein hartes Leben gewesen sein.

Später habe ich im Süden, in Julian, an einer Goldminenführung teilgenommen. Die Stollen und Schächte dieser Mine messen etwa vier Kilometer,und sie liegen auf 10 Ebenen. Dreihundert Meter davon konnten wir ansehen. Dieser Eingangs - Stollen wurde noch mit Hammer und Meissel ausgebrochen, später verwendeten sie Dynamit. Der Querschnitt ist natürlich möglichst klein.

Mitten im Stollen schaltete der Führer die elektrische Beleuchtung aus. Dunkler kann es nicht mehr werden. Nach ein er Minute zündete er eine Wachskerze an, die damalige Arbeits - Beleuchtung.

Das Gold war in einer etwa 10mm starken Quarzschicht enthalten. Das Golderz wurde mit Aufzügen und Stollenwagen zum Stampfwerk gebracht und dort zu Pulver zermahlen. Hochgiftiges Quecksilber löste das Gold auf, und man brauchte man das Quecksilbers nur noch zu destillieren, und schon hatte man das Gold. Aus einer Tonne Erz konnte man etwa eine Unze (28 Gramm) Gold gewinnen. Die meisten Bergleute sollen klein und schlank und zäh gewesen sein.











Meinen Urgrossvater kann ich mir nicht als Goldgräber vorstellen.















Samstag, 21. Mai 2011

Anza Borrego

                                                                         Palo Verde

Gestern fuhr ich durch den "Anza Borrego State Park", einen 2400 km2 grossen Californischen Staatspark, grösser als der Kanton St.Gallen.

1775 zog der Spanier Juan Bautista de Anza mit einem Treck von 200 Kolonisten und einigen Missionaren sowie 1.000 Stück Vieh von Arizona aus 2.000 km durch die Wüsten nach Monterrey in California. Dabei sind sie auch hier durch gekommen.

Auf einigen Strecken blühte die Wüste: gelb die Creosote-Büsche, rot die Occotillo-Stauden, Gelb die Palo Verdes, rosa die Wüstenweiden, weiss die Yuccas, dann die vielen gelben Löwenzahnähnlichen, ein paar flammende Paintbrush, und hie und da ein Biberschwanz Kaktus mit seinen lila Blüten. Ich genoss meine Zeit und hielt oft an.

Ein ziemlich leeres Gebiet (200 km2) mit grobem Kies und harter Erde und wenigen Creosote Büschen ist für die Offroad Fahrzeuge reserviert: "Occotillo Wells State Vehicular Recreationa Area for off-highway vehicle enthusiasts". Ich sah ein paar von den lauten und abenteuerliche Eigenbau - Konstruktionen. Aber Freitag ist hier nicht viel los, die Leute kommen erst übers Wochenende, um ihre grenzenlose Freiheit zu geniessen.

Anza Borrego ist hier der einzige Park, wo man überall campieren darf. Kein Wasser, kein Schatten, kein Grün, nur harte Erde mit Steinen, das wäre für mich doch zu viel Natur.



 Beavertail Cactus
Nolina
Mariposa Lily
Occotillo
Desert Willow
Prince's Plume

Donnerstag, 19. Mai 2011

Traum erfüllt

Vor dreissig Jahren las ich bei Lars Gustafsson (Der Tennisspieler) , wie er am Morgen vor seinem Zelt den ersten Kaffee trinkt. Er ist allein in der amerikanischen Wüste. Nach einer kalten Nach bringen die ersten Sonnenstrahleneine eine Ahnung von Wärme: Das wollte ich einmal erleben.
Jetzt hocke ich in Jumbo Rock (Mojave Desert) in meinem Zelt, warm angezogen und halb im Schlafsack. Eben schien für ein paar Minuten eine milchige Morgensonne, eine Anflug von Wärme. Um sechs Uhr hatte ich mir draussen neben dem grossen Stein, der den kalten Wind etwas abhält, unter einem grauen Himmel meinen ersten Kaffee gebraut. Eine halben Stunde lang konnte ich die Morgenstimmung geniessen, dann bin ich, leicht durchfroren, zurück ins Zelt gekrochen. Es hat leicht zu regnen begonnen.

Und doch, ich erlebe jetzt das, was ich mir damals erträumt habe. Mein kleines Zelt steht zwischen Felsen und Büschen, meine 100m entfernten Nachbarn sehe ich nicht, ich könnte allein da sein. Als ich gestern Abend mein Lagerfeuer im Sturm gepflegt habe, ging über den wilden Felsen ein grosser roter Mond auf. Und das alles ist echt. 

Eben hat draussen etwas geknurrt, aber ich habe nichts entdecken können. Jetzt ist es Zeit, mich umzuziehen, etwas aus meiner Kartonschachtel zu essen und meinen Zeltplatz für eine weitere Nacht zu reservieren.  



  Das ist mein Jumbo - Rock - Hinkelstein

Dienstag, 10. Mai 2011

Susanville, 18'000 EW, 1300müM.



Ich sitze im Raum 1036, im 10. Stock des Casinos Eldorado in Reno. Durch die Schneeflocken sehe ich das gedeckte Football Stadion und das National Bowling Center, wo gerade eine wichtige Meisterschaft stattfindet. Ich bin weder ein Glücksspieler noch ein Kegler, ich habe auf meinem Weg hier in Reno Halt gemacht, um mich zu erholen und um den billigen Luxus zu geniessen.

Vorgestern habe ich auf einem ganz kleinen Waldcamping "ohne alles" übernachtet, 50 km vom nächsten Dorf entfernt, ohne Sichtkontakt zu den zwei sehr alten Wohnwagen, die auch auf dem Platz waren, dafür aber mit bärensicheren Behältern und Warnungen vor Bären und Schlangen. Ich stellte mein Zelt nahe am rauschenden Trinity River auf. Nachts dann rauschte der Sturm in den Bäumen viel lauter, und mein Zeltchen kam sehr ins Flattern.
Gestern versuchte ich es im lokalen Zentrum Susanville mit einem sehr einfachen Motel, eher für Mexikaner und Schwarze, ich will ja möglichst viel von Amerika sehen. Anfangs bereute ich meinen Entschluss, doch am Ende begann es mir zu gefallen.

Beim Morgenessen im "Harts 50's and 60's Café" erkundigte ich mich bei den älteren Einheimischen über den verlassenen Ort am Fusse der Lassen Berge. Später sprach ich noch länger mit der Mexikanerin von meinem "Border Lodge Motel".

Seitdem vor 15 Jahren der Wald hier geschützt wurde, läuft gar nichts mehr im einstigen Holzfäller - Zentrum, die alten Sägereien zerfallen. Das grosse Gefängnis ausserhalb der Stadt ist der einzige Arbeitgeber. Der Winter hier ist lang und hart, drei Meter Schnee, 20 Grad unter Null und Stürme. Dann folgt ein kurzer und angenehmer Frühling (gestern und heute war zB ein Schneesturm), und dann kommt der heisse Sommer ohne jeden Niederschlag, der die grossen flachen Schmelzwasser - Seen schnell wieder in Salzwüsten verwandelt.

An den Laternenmasten der Hauptstrasse hängen Plakate mit Bildern von vielen jungen Soldatinnen und Soldaten. Die Stadt dankt ihnen und ihren Familien für den geleisteten Dienst im Irak und in Afghanistan.

Ich traute mich fast nicht zu fragen, aber es ist so: diese jungen Menschen aus Susanville sind tot. Die Army und die Air Force seien hier fast die einzigen Möglichkeiten für Schulabgänger. Das sei traurig.

Vielleicht sperren sie noch mehr Leute ins Gefängnis, das würde ein paar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wenigstens sind die Bäume jetzt geschützt.



Ergänzung zu "Radio hören in California" vom April

Hier ist die Kopie eines Mails von mir an einen Radiomacher in Fort Bragg, CA:

KMFB Mendocino
Written Word Radio, Friday May 6th 2011, 10pm to 3 am
with Marco Mc Clean,

Hi Marco,
on that evening, I was at the Best Western hotel in Fort Bragg, behind the old railway bridge, and I couldn't stop listening to you till 3 am. And for the rest of the night I couldn't sleep.
I am an 69 years old retired Swiss civil engineer on a three months stay in California. Part time, I work with organic farmers, part time I visit relatives and I also do some traveling. After 2 months listening to American radio stations, i wrote in my blog what I found out about American broadcasting. The best (or least bad) group was NPR, the only station I could receive during the three weeks in the forest of Annapolis (Sonoma).
But after I heard your "Written Word Radio", I must revise my meaning and I will add a new group "Excellent Radio" to my blog. After 9 weeks USA, that seemed to me the best I ever heard on Radio, I couldn't believe to be even in liberal Mendocino.

Now I have a question: do you have a DVD of that Friday night? I would like to hear it once again, and then I must play it for my friends and for somebody I know who works at a Swiss Radio Station (Rabe Bern, Switzerland). Is it possible that you mail a copy to my Swiss address, I will be glad to pay you a fair price.
Till now, I had a great time in California, and I have met so many special people here (when you have time to listen to somebody, you will sure find out that he is special).
Right now, I am relaxing in a Casino in Reno after a stormy night in my tent on a closed National Forest Campground in the Trinity National Forest and an after other night in a old Frontier Motel. That is the probably the only thing what Casinos are good for. On May 31st, I will fly back to Switzerland, the American Government doesn't want me to spend my money longer here. There would be so much more to see, to learn and to learn to avoid.
You see, I don't know much of the American language, but I hope you found out what I want to say. You sound great! Thank you.

In the years 1967/68 I have worked in Virginia with a green card. Later I toured often with my bicycle in the US, once from the Pacific to the Atlantic. I still hope for a better America after the crash of the American Capitalistic System.
The air conditioning in my fine hotel room is nearly as loud as the storm in the Trinity National Forest. They want to have me in the casino hall, not alone in bed. This big guys with their keep-people-stupid-program are so clever. They want my money. But I have my ear plugs and my Bach music with me.

My home address is:

Hansjoerg Graf
Brunnenstrasse 5
9450 Altstaetten
Switzerland
grafh@bluewin.ch

Now I have just written the additional part "Excellent Radio" to my blog about American broadcasting. Isn't that clever? I only have to re-translate it to German language. Or even better, I let it in my poor (funny?) English

Sonntag, 1. Mai 2011

House - Sitter in 3660 Annapolis Road

Jim und Sharon sind für eine Woche nach Tennessee geflogen, und ich hüte unterdessen hier im Wald ihr Haus. Heute bin ich mit dem Toyota die 12 km an die Küste und nochmals 18 km nach Norden, nach Gualala gefahren, um dort ein paar Sachen einzukaufen: Milch, Joghurt, Bananen... und eine "Campbell Golden Mushroom" Suppe, eine Erinnerung an 1967/68, an die Amerika-Zeit mit Luisemarie. Dann habe ich auf der Terrasse einen gesünnelet, ich will braun aus California zurück kehren.

Meine Hauptaufgabe ist, für den scheuen Kater Panache zu sorgen. Sein Lieblingsplatz ist jetzt auf meine Knien, nachdem ich ihn eine Nacht lang draussen vergessen habe. Jeden Tag muss ich eine halbe Stunde lang Wasser von dem Quellbehälter in den oberen Speicher pumpen (Schalter an/Schalter ab) und zudem die Mausefallen in der Werkstatt und auf dem Squad kontrollieren. Das sind meine Aufgaben.

Zwei Kühlschränke, der Freezer und die Kästen sind voller Lebensmittel, Bier und Wein ist genug da. Meinen Kaffee mache ich auf die amerikanische Art. Die riesige Küche ist gut eingerichtet. Die grossen Menues habe ich noch nicht gekocht, aber meine Salate sind ein Traum. Morgen stelle ich von Müesli auf amerikanisches Frühstück um.

Ich schreibe nicht so viel, wie ich gedacht hatte, dafür lese ich Krimis über Florida und über die Navajo Resrevation. Ich höre guten alten Blues auf der Stereo - Anlage, den DVD brauche ich nicht.

Wenn ich will, kann ich auch arbeiten. ich habe schon ein paar hundert kleine Redwoods umgehauen. Am Freitag fuhr ich zu Karen, ich solle mit einem Traktörli den Rasen mähen. Ich habe dort aber mit dem grossen Rasentrimmer den total zugewachsenen Garten wieder begehbar gemacht. Als die Maschine nicht mehr wollte, war ich allein da. Ich sagte mir: "Dem Inschinör ist nichts zu schwör", Irgendwo im Haus fand ich die Anleitung, aber der Schneidekopf war ein anderer. Erst nachdem ich ein reisiges Gartenbeet mit Humus vom Haufen beim Wald gefüllt hatte, kam mir die richtige Idee, und ich konnte mich weiter durch den Dschungel kämpfen. Karen und ihr Mann leben schon seit 45 Jahren hier im Wald. Aufs Alter wollten sie ein paar ha Reben bewirtschaften. Doch jetzt ist der Mann an Leukämie erkrankt, und eine Knochenmark - Transplantation machte alle Pläne zunichte.

Zum Zmittag gabs Sandwiches, welche ich mittlerweile ohne zu Sabbern essen kann. Zum Znacht gabs dann ein Festmenue mit frischem Meerfisch und gutem Weiss- und Rotwein. Ich wollte mehr über ihr Haus wissen: Ein Traumhaus. mitten in einer Gruppe von 40m hohen Redwoods, verschiedenen kleinere Gebäude und einem grossen Gartenhaus etwas entfernt, ein wahres Paradies!

Mit 20 haben die zwei Hippies zusammen mit 4 anderen Paaren hier billige 10ha Wald gekauft und zuerst in Zelten gelebt, Bäume gefällt, mit einer mobilen Säge an Ort Balken, Pfosten, Bretter und Schindeln hergestellt und ihre ersten Häuser gebaut. Strom gabs die ersten 12 Jahre nicht, und das Wasser war nicht trinkbar. Sie hielten Schafe, Chüngel, Hühner, Pferde, jagten, pflanzten, sie waren Selbstversorger und glaubten an eine bessere Welt. Nach einigen Jahren waren nur noch sie zwei übrig. Zwischendurch wohnten sie 7 Jahre auf Mallorca, wo ihre Tochter zur Schule ging, die Mutter als Lehrerin und der Vater als Elektroingenieur arbeiteten. Sie nahmen dann an einer Renn -Segelregatta rund um die Welt teil, er als Skipper, sie als Crew. Anschliessend kehrten sie nach Annapolis zurück.

Jetzt will Karen ihren Garten nochmals in Schwung bringen. Morgen werde ich den restlichen Humus in den Garten karren, eine Arbeit, die sie nicht mehr tun kann.

Mittwoch, den 4. Mai: jetzt habe ich genug Einsamkeit gehabt.

Nachtrag: etwa 1 Jahr später ist ihr Mann gestorben, gerade bevor ich bei Jim zu Besuch war.

Donnerstag, 28. April 2011

Vorurteile

In Healdsburg war ich zwei Tage lang allein im Haus. Am ersten Abend sah ich mir den alten Film "When Harry met Sally" an. Die Amerikaner sind den Europäern im TV immer noch voraus: ich glaube, dass die Werbe - Unterbrechungen etwa so lange waren die Filmstücke dazwischen.

Am zweiten Abend habe ich herumgezappt: meistens Serien. Bei "Dr. OZ" blieb ich hängen. Anscheinend eine Talkshow. Vorne etwa 10 Frauen, die meisten in amerikanischen Militäruniformen. Die Sendung hiess "Women Of War" (Frauen im Krieg) zum ersten Mal kämpfen im Irak und in Afghanistan amerikanische Frauen an der Front mit.
Und so habe ich den Ausschnitt erlebt:
Das Bild einer bewaffneten Frau in voller Ausrüstung. Dann eine zusammen geschnittene Sequenz: Ein Patrouillenfahrzeug fährt auf eine Mine (filmreifer Feuerball, Gewehrfeuer. Eine Frauenstimme: ein Schlag, höllischer Schmerz, ein Bein von mir ist weg, ich werde sterben. Dann eine Szene mit rennenden Sanitätern mit Tragbahren und mit Helikoptern. Dann Bilder aus einem Spital, Rehabilitation. Die Frau im Rollstuhl in der Küche, in Skiausrüstung, sie hüpft zu ihrem Auto, sie springt in ein Schwimmbecken. Ende des Films, er wird hell im Saal.

Die Frau sitzt jetzt in den vordersten Reihe, strahlt und winkt in die Kamera. Applaus aus dem Publikum.
Dr. Oz begrüsst sie, stellt Fragen an sie:
Wie sie den Weg ins Leben zurück gefunden habe?
Das sei sehr schwer gewesen, aber Familie und Freunde seien wichtig gewesen, und etwas zu finden, was sie begeistert.
Was ihr in den Sinn komme, wenn sie an ihren Militärdienst zurück denke?
Das war eine sehr gute Zeit. Sie habe viel gelernt, viel Gutes erlebt (gute Kameraden, Unterstützung...), und sie sei froh, dass sie diesen Weg gewählt habe. Sie würde es wieder som achen. Sie strahlt stolz.
Dr. Oz fragt die anderen Militärfrauen, wem es ebenso gegangen sei. Alle strecken auf! Grosser Applaus aus dem Publikum.
Das ist krank, denke ich. In was für eine Scheiss - Sendung bin ich da geraten?
Meine Freunde, die ich frage, können mir nicht helfen, sie sehen kein TV. Später gehe ich im Internet auf die Suche. Ich kann die Szenen nochmals anschauen. Meine Erinnerung stimmte ungefähr, auch das letzte Statement. Amerikaner sind da anders als ich. Ich sehe es als einen meiner grossen Fehler an, dass ich mehr als das absolute Minimum an Militärdienst geleistet habe, und das in unserer Spielzeugarmee.

Aber die Sendung von Dr. Oz finde ich jetzt trotzdem sehr gut: er beschönigt nichts.
Er behandelt die akuten Probleme von Frauen nach dem Kriegsdienst:

1. Post Traumatic Stress Disorder, unter dem Frauen noch mehr leiden als Männer
2. Obdachlos nach dem Militärdienst
3. Sexuelles Trauma nach Übergriffen von "Kameraden"
4. Probleme im Familienleben: nach dem Kriegsdienst ist die Frau eine andere Person.
Hier zwei amerikanische links zu dieser Sendung:



Montag, 25. April 2011

Freunde in Annapolis

 
Ostern ist hier ein Sonntag wie jeder andere, und jeder Sonntag ist ein Tag wie jeder andere. Man arbeitet je nach Wetter, und nur so viel dass man weder Sonntage noch Ferien braucht. Die Leute hier denken lieber selber anstatt zu glauben.

Am Abend fahren wir zu viert mit dem Picup durch den Regen zu Stephen's. Zuerst 20% steil im 4wheel drive den Berg hoch, dann 500m weit auf der Teerstrasse, dann auf der Little Creek (dirt-)Road den Berg hinunter zur schmalen Holzbrücke und wieder hinauf aufs Plateau. Alles im Wald. Die Strasse ist schmal und kurvig, die gewaltige Bäume stehen hart am Strassenrand, unsere Geschwindigkeit beträgt 10 mph (16 km/h). Überraschend kommt ein grosser und schöner Weinberg, eine Tafel (Pivate Property, Keep Out) und nochmals ein Weinberg, wieder mit Tafel, und nach 45 Minuten kommen wir über eine Fahrspur zu Stephen's Haus. Im hell erleuchteten Fenster sehen wir Leute in der Küche hantieren .

Durch den Regen bringen wir unsere Schachteln mit Essen und Getränken und zwei Klappstühle zum Haus und beegrüssen die Leute: nice to meet you. Stephen, der Hausherr, empfängt uns. Er ist gross, herzlich und sehr beschäftigt mit seinen 12 Gästen. Mich fragt er, ob ich der Guy von Sweden sei. (Au, nicht schon wieder!) Doch ich soll mich getäuscht haben, er habe vor Jahren einen Schweden getroffen, der mir ähnlich sah. (Vielleicht, denke ich).

Stephen hat sein Haus selber gebaut, über Jahre hinaus, und immer wieder angebaut. Die alten Teile hat er gelassen wie sie waren. Ich habe noch nie solch ein Haus gesehen, für mich ist es ein Haus der Gefühle. Später erfahre ich von Stephen, dass er in Hollywood mit Licht und Ton gearbeitet hat. Er war auch Lehrer für Kunst an einer Universität, er hat Plastiken geschaffen, und er hatte ein Geschäft in San Francisco. Er kann mir nicht genau sagen, seit wann er hier draussen lebt und baut.

Kurt, ein Gast, hat am WEF in Davos ein Compuer - System für Konferenzen eingeführt, mit dem man die Schnörri zurück binden und die Zaghaften ermuntern könne. Weil er sich für den biologisch - dynamischen Anbau interessiert, hat er damals auch Dornach besucht. Jetzt experimentiert er mit Schaf- und Ziegenkäse, allerdings noch mit wechselndem Erfolg. Vom gut Gelungenen hat er mitgebracht. Es dauert, bis draussen im Regen auf dem Grill die Glut bereit ist. Unterdessen geht in der alten Küche das gemütliche Chaos weiter.

Ashley und Fergusson, ein junges amerikanisches Paar, kennen sich in Stephen's Küche schon aus. Sie wohnen für ein Jahr als Wwoofer auf Kurts Hof. Die Leute bringen ihre whoofers zu diesen Treffen mit.
Ihre „Sklaven“ wie sie sie manchmal liebevoll nenenen.

Den freundlichen 20-jährige John kenne ich schon, er kommt jeden Donnerstag zu Jim und Sharon zum Musizieren und zum Essen. Seine Eltern sind erfolgreiche Gartenarchitekten, und sie wohnen schon lange wieder in San Francisco. John lebt allein im alten Haus mit dem grossem Garten und dem Treibhaus, hier irgendwo im Wald. Er hat keine Schule besucht, Lesen und Schreiben hat er bei seinen Eltern gelernt. Geige spielt er ab CD's, fürs Brennholz fällt er die Bäume selber. Er besitzt ein schweres Motorrad. Mit dem möchte er durch die USA und durch Europa fahren. Er hat gerade ein Buch geschrieben, "Dark Light", das er im Internet vermarkten will.

Der ältere und gemütliche John hat seine neue Freundin Susan mitgebracht. Man diskutiert, wie man sie eiornen soll: Bekannte von John, Freundin, girlfriend? Man einigt sich auf „John's Lover“. Sie kam vor 28 Jahren aus Dublin und lebt in San Francisco, und sie legt Wert auf ihr Irisches Englisch.

Das Fleisch ist jetzt gebraten, und jeder bringt seinen Stuhl mit an den Tisch. Meiner ist sehr niedrig, ich sehe alles von unten. Es ist eng und gemütlich, die Speisen sind meistens scharf. Alle haben Wein mitgebracht, und John eine Menge Schnäpse. Man tauscht Neuigkeiten aus, dann kommt die Politik. Das verbindet hier die Leute, ihre Abscheu vor dem "american way of life" und vor der Politik Washingtons: Macht, Geld, Imperialismus. Der Betrug mit der Demokratie, die längst keine mehr ist, in deren Name schmutzige Kriege geführt werden. Man ist sich einig. (nicht ganz, das kommt noch).

Man ist sich aber auch einig, dass es fast allen Leuten hier in Amerika sehr gut geht, im Vergleich mit der Rest der Welt, Westeuropa ausgenommen. Es gibt auch viel Gutes in Amerika, die meisten lieben ihr Land. Doch weil sie es lieben, kämpfen sie für mehr Aufrichtigkeit, für mehr soziales Gedankengut, für ein friedlicheres Zusammenleben, gegen das korrupte und allmächtige System von Grossen Gesellschaften, Banken, Politikern und Militär.

Susan sieht das anders. Sie ist als 20jährige aus Irland nach Amerika gekommen, sie verdankt  diesem guten und grosszügigen Land alles. Nach ihrer Überzeugung ist niemand hier berechtigt, am eigenen Vaterland Kritik zu üben. Susan ist dominant, sie fällt jedem ins Wort, sie spricht schneidend und laut und sie lässt andere Argumente nicht gelten. Die Runde bleibt höflich, Susan ist neu hier und ziemlich betrunken. Es tut auch gut, eine andere Meinung am Tisch zu haben. Zwischendurch sagt sie, nur zu mir, es tue ihr leid, dass sie sich so unmöglich benehme.

Man zügelt in die Stube, wo Jim, Carl der Schwede und John der Geiger aufspielen. Als sie Irischen Musik spielen, tanzt Susan wild dazu. Dann stolpert sie und schlägt schwer mit ihrem Kopf auf den Boden. Dann gehen John und Susan nach Hause. Zu Fuss, sie können nicht mehr Auto fahren.

Das Aufräumen in diesem Chaos ist auch ein Chaos. Um zwei Uhr sind wir wieder zurück in unserem immer so aufgeräumten Haus.

Mittwoch, 20. April 2011

Zwischenstation

Es regnet. Vor mir im Garten steht ein Häuschen mit dem Name "Heimelig". Auf meinem Tischset sehe ich den Kamor und den Hohen Kasten, und an den Wänden hängen Bilder aus dem Berner Oberland. Ich bin hier in Healdsburg, Sonoma Conty, zu Besuch bei Liz, einer Verwandten von Luisemarie.

Am Morgen habe ich bei einem Biobauern  5 Stunden lang Mulch in Tomatenbeete verteilt. Auf dem Heimweg wollte ich im originellen alten "Dry Creek General Store" etwas essen. Das Angebot sieht gut aus und ist preiswert. Der Laden war voller elegant gekleideter Touristen. Sie sind auf Wein - Degustationstour. Müde, und in meinen Arbeitskleider, war ich aber schnell wieder draussen, ich fühlte mich als Landarbeiter.

Sonoma County ist 10 mal kleiner als die Schweiz, hat 450'000 Einwohner und 26'500ha Rebgebiet (die Schweiz hat 15'000ha). Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an sicher 50 Degustationsgütern vorbei. Sonoma produziert mehr und bessere Weine als Napa.


Auf der Heimfahrt verfuhr ich mich heute nicht mehr. Ich fand auch  das Einkaufszentrum ziemlich schnell, wo ich italienisches Brot, französischen Käse und amerikanischen Speck einkaufte. Seit heute bin ich allein in diesem schönen Haus, Liz ist für ein paar Tage 500km in den Norden, in ihr Ferienhaus am Meer gefahren. Ich machte mir Zinfandel Wein mit Käse und Brot zum Lunch.

Ich bin müde, ich habe in den letzten Tagen so viel gesehen und erlebt. Jetzt brauche ich einmal Ruhe. Morgen arbeite ich noch auf der Farm, dann werde ich von Jim und Sharon abgeholt. Während sie zu Besuch in den Osten fliegen, werde ich im Wald ihr Haus und ihre Katze hüten.

Und jetzt untersuche ich den Kühlschrank, für ein Nachtessen. Morgen soll die Sonne wieder scheinen.

Montag, 11. April 2011

Theo, ein Amerikaner

Am Sonntag Nachmittag ist Theo, mein Chef, mit seinem 34-jährigen Mercedes 300D von einem Besuch zu seinem Haus in den Bergen zurück gekommen. Er hat eine Ladung leere Plastikbidons und 300 kg Felsbrocken mitgebracht. Sein 1977er Kombi läuft mit gebrauchtem Frittieröl, das er in Imbisslokalen abholt und filtriert. Dazu benötigt das Auto einen Zusatzfilter und eine Treibstoffheizung. Theo besitzt vier Mercedes vom gleichen Typ, einen als Ersatz und zwei als Ersatzteillager. Daneben besitzt er auch noch vier Picup Trucks, im selben System.

Nachdem er die Felsbrocken ausgeladen hat, baut er neue Gartenbeete, 60 cm hohe Bretterkisten mit einer Drahtnetzeinlage am Boden, gegen der Mäuse. Ich jäte ein lästiges Unkraut, das sich in der Regenperiode breit gemacht hat. Dann wässern wir die Himbeeren und die jungen Apfel- und Aprikosenbäume. Im Sommer, der jetzt bald beginnen sollte, herrscht hier auf 900m ein Wüstenklima. Wer hier pflanzen und leben will, muss den Winterregen in grossen Tanks speichern. Theo besitzt 8 Tanks. Er hat alle Verbindungs- und Bewässerungsleitungen selber verlegt, und er pumpt jeweils Wasser in die oberen Reservoirs. Der Strom kommt vom Solarpanel, das er noch etwas verbessern will. Eine öffentliche Wasser- und Stromversorgung gibt es hier nicht.

Während ich seine drei Araberpferde füttere und striegle, reinigt Theo am Auto die Ölfilter. Dann fährt er zu seinen Ersatzwagen und kommt mit zwei schweren runden Metallstücken zurück, Bremsscheiben. Auf der Heimfahrt hat er ein Geräusch gehört und zu Hause sofort das Rad entfernt und nachgesehen. Hinten links ist eine Bremsscheibe gebrochen

Theo ist Primarlehrer an einer Rudolf Steiner Schule in Monterey, drunten am Meer. Morgen beginnt die Schule, das Auto muss fahren. Zuerst schleift er den Rostbelag vom besseren erhaltenen Ersatzteil. Dann baut er eine neue Handbremse ein, die alte war schon länger kaputt. Es ist dunkel, Theo liegt im Wald auf einem Kartonstück unter dem Auto, er arbeitet mit der Stirnlampe am kniffligen Zusammenbau von Federn und Bremsbacken.

Dann montiert er die Bremsscheibe. Ein unmögliches Design, sagt er. Während er konzentriert arbeitet, erzählt er Julia, der fünfjährigen Tochter seiner Freundin, ein Märchen von Fröschen und Störchen.

Nach zwei Stunden ist die Scheibenbremse repariert. Seine Freundin hat ein Nachtessen gekocht. Draussen ist es kalt geworden, drinnen am Tisch ist es schön warm. Theo hat sein grosses Haus selber gebaut, „mit etwas Hilfe“, Minergiestandard und ein tolles Design. Er hat alles hier oben selber gebaut.

Nach dem Essen arbeitet er weiter. Ich bin schon in meinem Schlafsack, als er eine Proberunde fährt. Alles ist wieder OK.

Zu Theo: Er hat in Stanford Geologie und Umweltwissenschaft studiert und einen Lehrerabschluss gemacht. Er hat besitzt ein Segelboot, zwei Seekajaks, er taucht, fährt Mountainbike und Tourenski, hat momentan kein Geld und sieht gut aus. Er ist freundlich und zuvorkommend. Er ist überzeugt davon, dass der Mensch der Natur helfen kann. Er pflanzt Oliverbäume, Apfel-, Kirsch-, und Pfirisichbäume, Reben, Kakteen, Himbeeren, Gemüse und anderes, und er verkauft Brennholz. Er hat noch viele Pläne, und ich bin sicher, dass er sie verwirklichen wird.

Er lebt so, dass er nicht in die Ferien fahren muss. Ich bin jetzt seit 5Tagen Theos Helfer.

Samstag, 9. April 2011

Abenteuer - Wanderung

Samstags wandere ich gewöhnlich mit Otto. Heute wandere ich allein, in der „Los Padres National Forest Wilderness", die einen Kilometer von meiner Hütte weg beginnt. Ich weiss das von meinem schlauen GPS, da ist ein Pfad zum Devils Gap und zum Devils Peak eingetragen. Weil keine anderen Wege da sind, ist der Devils Peak mein Samstags – Ziel. Bald finde ich den richtigen Weg, und wie mir ein bellender Hund entgegen kommt, und ich nehme einen Stecken. Doch der Stadthund will mich nur begrüssen.

Dann ist die Piste gesperrt: Tafeln, Gitter, Hag, privates Land, Durchgang verboten. Ich weiche aus und komme bald auf den Waldweg. Ich bin jetzt im National Forest. Es geht in ein Tal hinein, mit riesige Bäumen: eine Eichenart und ein immergrüner Laubbaum, der 40 Meter hoch wird und abenteuerlich ausladende Äste hat. Überall liegen umgestürzte Riesenbäume.

Es ist ein gutes Gefühl, allein in diesem wilden Wald unterwegs zu sein. Ich komme an zwei Wildnis – Zeltplätzen vorbei: alte Grillroste, Wasser vom Bach, etwas ebener Platz, sonst nichts. Gestrüpp wächst durch einen Rost. Nirgends Fusspuren, bin ich der erste Wanderer hier, nach dem grossen Regen vor drei Wochen?

Nach einer Stunde bin ich auf dem Devils Gap (einem Pass). Vor mir bewaldete Hügel, ein paar felsige Bergspitzen, kein Zeichen von Menschen. Ein hölzerner Wegweiser:" Big Pines Trail", "Comings Cabin Camp 3", "Big Pine 5", und ein paar Schusslöcher im morschen Holz. Und wo ich her komme:"Apple Tree Camp"," Turners Creek Camp", die mit den rostigen Feuerstellen.

Links 300 Meter höher der Devils Peak, eine Feuerschneise führt dort hinauf. Es sieht nicht einladend aus, sehr steil, in der Sonne und im scharfen kalten Wind. Aber ich bin kein Stubenmuffel, ich mache mich auf den Weg. Zu meine Freude führt der Weg angenehm durch schönen Buschwald zum Gipfel hoch. Auf der Nordseite liegt von gestern noch Schnee, und darin hat es Spuren: Ein Mann und eine Frau. Vielleicht hole ich sie ein.

Aber auf dem flachen Gipfel bin ich allein. Ich essen meinen halben Proviant: ½ Apfel und ½ Banane. Die Aussicht ist gut, 1250 Meter unter mir liegt das Meer, mit schäumenden Klippen weit draussen. Über dem Meer Wolken, über dem Land blauer Himmel . Und dann fährt, wie in einem Film, ein Zeppelin unter mir der Küste entlang gegen Süden.

Als ich nach zehn Minuten wieder zum Meer schaue, sind da nur noch brodelnde Wolkenmassen. Heisst der Berg deshalb Teufelspitze? Ich packe schnell zusammen und steige ab, die Schnee- und Hagelschauer von gestern sind mir noch in zu guter Erinnerung. Im Devils Gap treibt der Nebel durch, doch schon im Wald ist es nur noch kalt. Nach 3½ Stunden bin ich wieder bei meiner Cabin, und die Sonne scheint wieder.

Keine wilden Tiere, kein Schneesturm, kein Hunger und Durst, den Weg nie verfehlt. Das war kein Abenteuer, bloss eine Wanderung in unbekanntem Terrain. Aber das Abenteuer war vorher, als ich mich entschloss, das Wagnis „Devils Peak“ einzugehen. Es gibt hier Bären und Berglöwen und Schlangen, und wir hatten Schneestürme.

Donnerstag, 7. April 2011

Freie Marktwirtschaft

Das ist ein schwieriges und ein komplexes Thema. Ich berichte, was mir in diesem Monat dazu aufgefallen ist, was ich zufällig gesehen, gelesen, gehört und erlebt habe. Ich erhebe keinen Anspruch auf irgend etwas, manche mögen mehr und besseres wissen.

Wenn ich reise, nehme ich jetzt nur noch das kleinste Senioren – Frühstück, zB zwei Rühreier, zwei Scheiben Speck, einen Berg Rösti, Toastbrot und unbeschränkten Kaffee. Nach dem Essen schreibe in mein Tagebuch und trinke Kaffee. Von den 7.59$ sind 61 Cent Verkaufstaxe, das sind Gemeinde-Einnahmen.

Im Einkaufszentrum kaufe ich eine Schoggi für 99 Cent. Zwei würden 1$ kosten, ich brauche aber nur eine. Ähnlich geht es mir auch bei den übrigen Einkäufen. Im kleinen Laden auf dem Land aber bezahle ich oft das doppelte: Nur so kann der Kleine überleben. Er wird aber bald schliessen müssen, die Leute mit Auto fahren 50 km zum Supermarkt, das Benzin kostet nur 1$ pro Liter.

Auch für den Staat läuft es nicht mehr so gut, er muss sparen. Das (republikanische) Parlament spart bei der Gesundheitsversorgung, bei der Kultur, beim öffentlichen Verkehr, bei den Lehrern und den Schulen, den Pensionskassen seiner Angestellten. Gleichzeitig werden die Steuern für die grossen Firmen und Einkommen gesenkt, das um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Eigentlich ist nicht weniger Geld vorhanden als vorher, aber es wird neu verteilt: Der schon geringe Lasten- Ausgleich zwischen Reich und Arm wird weiter demontiert, die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer, rasch und gründlich. „Sozial“ ist unamerikanisch, von vielen Politikern wird es als Schimpfwort gebraucht. (Blocher lässt grüssen)

In Los Angeles wohnte ich bei Ann und Sergey. Sergey ist im Kaukasus geboren und hat in Moskau Mikrobiologie studiert. Vor 17 Jahren wurde er als Forscher an die „University of California“ berufen. Er arbeitet an molekularen Mikromaschinen. Er besitzt den Russischen und den Amerikanischen Pass, und er hat Erfahrung in beiden Systemen. Als Forscher lässt er sich schlecht manipulieren, er geht den Dingen auf den Grund.

Seine Schlüsse: Als unpolitischer und gut ausgebildeter Bürger ging es Sergey in der Sowjetunion um einiges besser als hier: er hatte bezahlte Ausbildung, sicheren Arbeitsplatz, ein unentgeltliches Gesundheitssystem, bezahlt Ferien, staatliche Altersrente. (In den USA hat er nichts davon, da muss er für alles kämpfen). Es gab zwar keinen Überfluss, aber für ein einfaches und gesundes Leben hat es gereicht. Sergey hat in der UdSSR fast alle seine Forschungsarbeiten in Englisch veröffentlicht. Einen „Amerikanischen Feind“ kannte man nicht. Die USA waren so weit weg, und man hatte andere Sorgen. Er war nie in der Partei, aber er konnte an der besten Universität doktorieren.

Interessant für ihn ist heute das Reisen: Von den USA nach Russland ist das kein Problem. Aber Russische Ehepaare erhalten von den USA keine Besuchervisa. Entweder der Mann oder die Frau muss in Russland bleiben (Ausser man benötigt einen guten Forscher).

Wenn überhaupt, dann funktioniert in Amerika die Demokratie höchstens auf Gemeinde-Ebene. Überall sonst braucht man Millionen für Werbung, wenn man etwas bewegen will: Hier bestimmt die freie Marktwirtschaft.

Nach dem Untergang des Sozialismus steht jetzt die Freie Marktwirtschaft am Abgrund, und sie muss auf Kosten der Bürger gerettet (oder verlängert?) werden. Wann ist es Zeit für einen mittleren Weg?

Sonntag, 3. April 2011

Radio hören in California

Auf meinen frühe3ren Velotouren durch die Staaten haben haben wir oft weit draussen campiert, wo gar nichts war und alle bei Einbruch der Dunkelheit in ihre Schlafsäcke gekrochen sind. Ich brauche nicht acht Stunden Schlaf, da habe ich oft nachts mit Kopfhörern Radio gehört.

Jetzt habe ich noch viel mehr Zeit fürs Radio, vor allem wenn ich allein im Auto unterwegs bin. Am liebsten höre ich dann die Tex-Mex Sender. Die Moderatoren sprechen alle ein rasend schnelles Spanisch. Ich liebe die Mexikanische Balladen mit der Super Begleitmusik, genau die richtige Musik fürs Gemüt und für die endlosen Geraden in den Wüsten-Ebenen und die Achterbahnen in den Bergen!

Dann kommen die Highway Country Sender, Amerikanisch, mit Verkehrsinfo. Die alten Sänger sind alle herzensgute und mausarme Cowboys, sie singen mit wenigen oder ganz ohne Zähne, vielleicht imitieren sie diese Mummelsprache auch nur. Dann wird mein KIA Mietauto zum Pony und meine Tewa-Sandalen zu Texas-Stiefeln. Es gibt auch sauglatte Cowboy-Shows. Eigentlich sind sie saublöd, aber so blöd, dass sie lustig sind. Bei den politischen Shows begreife ich die Witze nicht, da bin ich der Blöde.

Immer wieder erwische ich Evangelisten, die haben alle eine ölige und falsche Stimme, Wahrscheinlich steigen sie gerade aus dem Ehebett eines ihre Freunde. Mich geht das ja nichts an, aber ich mag weder den Ton noch die Moralpredigten. Aus rein wissenschaftlichen Gründen habe ich ein paar Mal zugehört, jetzt drücke ich schnell den Umschalt-Knopf am Steuerrad.

Die gewöhnlichen Stationen: magere Musik mit viel Werbung. Überall für das selbe Potenzmittel, für Mann und für Frau, auf natürlicher Basis, ohne Rezept erhältlich, macht das Leben wir wieder wunderschön! Und Sofort-Kredite, ohne jede Ueberprüfung! Wie du überall Tausende von Dollars sparenkannst, indem du ein neues Dach machen lässt, einen neuen Wagen kaufst, ...aber sofort, die ersten Hundert bekommen nochmals 5% Extra-Rabatt! Jede(r) kann 40 kg abnehmen, ohne eigene Anstrengung, ohne den Lebensstil zu ändern, du wirst sofort beraten. Immer per Telefon und sofort. Man muss saublöd, verzweifelt oder schwerhörig sein, um diese Stationen zu wählen. In allen Läden und Imbiss-Schuppen laufen aber gerade die.

Dann gibt es das National Public Radio (NPR), keine kommerzielle Reklame, fundierte Nachrichten und Hintergrundberichte, Klassische Musik, Jazz und gute Unterhaltungsmusik, Interviews, intelligenter Talk. Da könnte unsere SRG etwas lernen. Schade, die Schweiz übernimmt von Amerika lieber den Schrott als das Gute. Wegen der Wirtschaftskrise und den horrenden Kriegsausgaben streicht nun das republikanische Parlament die Zuschüssen an das NPR. Es ist ungewiss, ob das Geld der gemeinnützigen privaten Stiftungen ausreicht, um diese Stationen weiter so zu betreiben.
Auch auf NPR gibt es Reklame: für Hilfsorganisationen, welche den Leuten unentgeltlich zeigen, wie sie aus ihren Schulden wieder herauskommen können. Wie sie sich beruflich weiterbilden können, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Anleitungen, wo und wie wie Arme, Kranke und Behinderte zu etwas Hilfe kommen können. Weil diese Leute sicher nicht NPR hören (wo hätten sie das lernen sollen?), werden die Hörer aufgefordert, sie auf diese Angebote aufmerksam zu machen.

In Los Angeles konnte ich auch Chinesisch und Japanisch hören. Das Radio genügt mir, bis jetzt schaute ich noch kein TV, da werde noch viel mehr manipuliert.

Donnerstag, 31. März 2011

Mein Büro heute

Heute war ich müde, einmal musste ich unbedingt am nächsten Tankstellenshop anhalten für einen grossen Kaffee. Ich habe gestern meiner gestrigen Canyon-Tour wieder zu wenig getrunken (2 Liter Wasser auf 5 Stunden). In der Nacht ich trank einen Liter in einem Zug.

Ich wollte heute in Victorville oder in Hesparia übernachten. Diese Namen habe ich erstmals auf der Landkarte gesehen, sie liegen etwa in der richtigen Distanz. Am Strasserand las ich dann: „Motel6 7 mi links Main 44$“. Wieder hellwach, fand ich das Hotel sofort. Zimmer 114, doch dann sah ich, dass es ebenerdig ist, Parterre heisst hier 1.Stock, ich hätte es wissen müssen, und ich will nachts das Fenster öffnen können. Jetzt habe ich 234 mit 2 Doppelbetten. Für vier Personen würde es etwa 10 $ mehr kosten: Einzelreisende haben es schwer.

Zuerst unter die Dusche. Gestern war es 34 Grad heiss, heute 30. Dann den Stecker der Klimaanlage herausziehen, so hört der Lärm und der kalte Wind auf. Auf meinem Netbook habe ich 5 Netzwerke zur Auswahl: schon beim 2. Mal klappt es mit dem Hotel-Code.

Die Website der Swisscom (Mails) regiert nicht, so schlage ich zuerst „Trona“ im Wikipedia nach. Ich war durch dieses, mitten in der Wüste an einem Trockensee gelegenen, ziemlich heruntergekommene Wüstendorf gefahren, mit seiner riesigen Fabrik und sehr viel eingezäuntem Gebiet, und kein Firmenname. Also, die bauen Potasche(?), Borax(?) und 12 weitere Mineralien(?) ab, sie haben extraein en Eisenbahnanschluss und viel Lastwagenverkehr. In den letzten 10 Jahren sei die Siedlung zerfallen. Jetzt weiss ich es.

Dann die Fotos des Tages auf das Netbook, durchsehen, wegwerfen. Das E-Mail, reagiert jetzt: Anne schreibt mir, dass ich morgen bei ihnen in Santa Monica (Los Angeles) übernachten kann. Es sei zwar unheimlich viel los in der Familie, aber ich könne ja mitmachen. Das ist gut für mich, ich bin ein Reisender (kein Tourist), ich möchte auch den Alltag erleben. Mit google werde ich den Weg durch Los Angeles zu meinen entfernten Verwandten schon finden.

Heute Morgen hatte ich die 2. Woche Mietauto "zu Faden geschlagen“. Neu ist: Heimweg über Los Angeles anstatt über Lake Tahoe, mit Besuchen bei Anne und bei May oder Martha. Mit dem Autovermieter habe ich vereinbart, dass ich den Wagen in San Jose anstatt in Santa Rosa abgeben kann. Und Tom habe ich geschrieben, dass ich gerade anschliessend daran auf seiner Ranch über dem Big Sur für 2 Wochen als Wwoofer arbeiten möchte. Ich hoffe, dass das klappt, wir haben so etwas schon einmal grob geschrieben. Und ein paar Postkarten waren auch noch auf dem Programm.

Heute war ein Büro- und Fahrtag. Ein Computer macht das Reisen nicht einfacher! Jetzt übertrage ich noch „Mein Büro heute“ in meinen Blog.