Dienstag, 10. Mai 2011

Susanville, 18'000 EW, 1300müM.



Ich sitze im Raum 1036, im 10. Stock des Casinos Eldorado in Reno. Durch die Schneeflocken sehe ich das gedeckte Football Stadion und das National Bowling Center, wo gerade eine wichtige Meisterschaft stattfindet. Ich bin weder ein Glücksspieler noch ein Kegler, ich habe auf meinem Weg hier in Reno Halt gemacht, um mich zu erholen und um den billigen Luxus zu geniessen.

Vorgestern habe ich auf einem ganz kleinen Waldcamping "ohne alles" übernachtet, 50 km vom nächsten Dorf entfernt, ohne Sichtkontakt zu den zwei sehr alten Wohnwagen, die auch auf dem Platz waren, dafür aber mit bärensicheren Behältern und Warnungen vor Bären und Schlangen. Ich stellte mein Zelt nahe am rauschenden Trinity River auf. Nachts dann rauschte der Sturm in den Bäumen viel lauter, und mein Zeltchen kam sehr ins Flattern.
Gestern versuchte ich es im lokalen Zentrum Susanville mit einem sehr einfachen Motel, eher für Mexikaner und Schwarze, ich will ja möglichst viel von Amerika sehen. Anfangs bereute ich meinen Entschluss, doch am Ende begann es mir zu gefallen.

Beim Morgenessen im "Harts 50's and 60's Café" erkundigte ich mich bei den älteren Einheimischen über den verlassenen Ort am Fusse der Lassen Berge. Später sprach ich noch länger mit der Mexikanerin von meinem "Border Lodge Motel".

Seitdem vor 15 Jahren der Wald hier geschützt wurde, läuft gar nichts mehr im einstigen Holzfäller - Zentrum, die alten Sägereien zerfallen. Das grosse Gefängnis ausserhalb der Stadt ist der einzige Arbeitgeber. Der Winter hier ist lang und hart, drei Meter Schnee, 20 Grad unter Null und Stürme. Dann folgt ein kurzer und angenehmer Frühling (gestern und heute war zB ein Schneesturm), und dann kommt der heisse Sommer ohne jeden Niederschlag, der die grossen flachen Schmelzwasser - Seen schnell wieder in Salzwüsten verwandelt.

An den Laternenmasten der Hauptstrasse hängen Plakate mit Bildern von vielen jungen Soldatinnen und Soldaten. Die Stadt dankt ihnen und ihren Familien für den geleisteten Dienst im Irak und in Afghanistan.

Ich traute mich fast nicht zu fragen, aber es ist so: diese jungen Menschen aus Susanville sind tot. Die Army und die Air Force seien hier fast die einzigen Möglichkeiten für Schulabgänger. Das sei traurig.

Vielleicht sperren sie noch mehr Leute ins Gefängnis, das würde ein paar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wenigstens sind die Bäume jetzt geschützt.



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