Sonntag, 1. Mai 2011

House - Sitter in 3660 Annapolis Road

Jim und Sharon sind für eine Woche nach Tennessee geflogen, und ich hüte unterdessen hier im Wald ihr Haus. Heute bin ich mit dem Toyota die 12 km an die Küste und nochmals 18 km nach Norden, nach Gualala gefahren, um dort ein paar Sachen einzukaufen: Milch, Joghurt, Bananen... und eine "Campbell Golden Mushroom" Suppe, eine Erinnerung an 1967/68, an die Amerika-Zeit mit Luisemarie. Dann habe ich auf der Terrasse einen gesünnelet, ich will braun aus California zurück kehren.

Meine Hauptaufgabe ist, für den scheuen Kater Panache zu sorgen. Sein Lieblingsplatz ist jetzt auf meine Knien, nachdem ich ihn eine Nacht lang draussen vergessen habe. Jeden Tag muss ich eine halbe Stunde lang Wasser von dem Quellbehälter in den oberen Speicher pumpen (Schalter an/Schalter ab) und zudem die Mausefallen in der Werkstatt und auf dem Squad kontrollieren. Das sind meine Aufgaben.

Zwei Kühlschränke, der Freezer und die Kästen sind voller Lebensmittel, Bier und Wein ist genug da. Meinen Kaffee mache ich auf die amerikanische Art. Die riesige Küche ist gut eingerichtet. Die grossen Menues habe ich noch nicht gekocht, aber meine Salate sind ein Traum. Morgen stelle ich von Müesli auf amerikanisches Frühstück um.

Ich schreibe nicht so viel, wie ich gedacht hatte, dafür lese ich Krimis über Florida und über die Navajo Resrevation. Ich höre guten alten Blues auf der Stereo - Anlage, den DVD brauche ich nicht.

Wenn ich will, kann ich auch arbeiten. ich habe schon ein paar hundert kleine Redwoods umgehauen. Am Freitag fuhr ich zu Karen, ich solle mit einem Traktörli den Rasen mähen. Ich habe dort aber mit dem grossen Rasentrimmer den total zugewachsenen Garten wieder begehbar gemacht. Als die Maschine nicht mehr wollte, war ich allein da. Ich sagte mir: "Dem Inschinör ist nichts zu schwör", Irgendwo im Haus fand ich die Anleitung, aber der Schneidekopf war ein anderer. Erst nachdem ich ein reisiges Gartenbeet mit Humus vom Haufen beim Wald gefüllt hatte, kam mir die richtige Idee, und ich konnte mich weiter durch den Dschungel kämpfen. Karen und ihr Mann leben schon seit 45 Jahren hier im Wald. Aufs Alter wollten sie ein paar ha Reben bewirtschaften. Doch jetzt ist der Mann an Leukämie erkrankt, und eine Knochenmark - Transplantation machte alle Pläne zunichte.

Zum Zmittag gabs Sandwiches, welche ich mittlerweile ohne zu Sabbern essen kann. Zum Znacht gabs dann ein Festmenue mit frischem Meerfisch und gutem Weiss- und Rotwein. Ich wollte mehr über ihr Haus wissen: Ein Traumhaus. mitten in einer Gruppe von 40m hohen Redwoods, verschiedenen kleinere Gebäude und einem grossen Gartenhaus etwas entfernt, ein wahres Paradies!

Mit 20 haben die zwei Hippies zusammen mit 4 anderen Paaren hier billige 10ha Wald gekauft und zuerst in Zelten gelebt, Bäume gefällt, mit einer mobilen Säge an Ort Balken, Pfosten, Bretter und Schindeln hergestellt und ihre ersten Häuser gebaut. Strom gabs die ersten 12 Jahre nicht, und das Wasser war nicht trinkbar. Sie hielten Schafe, Chüngel, Hühner, Pferde, jagten, pflanzten, sie waren Selbstversorger und glaubten an eine bessere Welt. Nach einigen Jahren waren nur noch sie zwei übrig. Zwischendurch wohnten sie 7 Jahre auf Mallorca, wo ihre Tochter zur Schule ging, die Mutter als Lehrerin und der Vater als Elektroingenieur arbeiteten. Sie nahmen dann an einer Renn -Segelregatta rund um die Welt teil, er als Skipper, sie als Crew. Anschliessend kehrten sie nach Annapolis zurück.

Jetzt will Karen ihren Garten nochmals in Schwung bringen. Morgen werde ich den restlichen Humus in den Garten karren, eine Arbeit, die sie nicht mehr tun kann.

Mittwoch, den 4. Mai: jetzt habe ich genug Einsamkeit gehabt.

Nachtrag: etwa 1 Jahr später ist ihr Mann gestorben, gerade bevor ich bei Jim zu Besuch war.

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