Als ich in San Juan Bautista angekommen war, fuhren wir gleich weiter. May's Freundin Mary steuerte ihren Riesen – Picup die 70 Kilometer durch den Regen ans Meer nach Santa Cruz. Die zwei Frauen besuchen alle zwei Wochen die Versteigerung von A&A, auch um Nachschub für May's Laden zu erstehen. Vorerst ging es aber in einen ganz speziellen kleinen Burger-Schuppen, den Besten weit und breit, in einen Gewöhnlichen würden sie sicher nicht gehen. Dann noch um ein paar Ecken, über ein paar Autobahnabschnitte, und schon waren wir bei der Auktionshalle angekommen.
In einer ziemlich herunter gekommenen Fabrikhalle waren Sofes, Polsterstühle und gewöhnliche Metallstühle aufgestellt, und auf Gestellen standen die verschiedenen Auktionsposten zur Ansicht herum. May und Mary hatten den Katalog aus dem Internet ausgedruckt, und sie wussten schon, an was sie interessiert waren. Für mich war das alles ein gewaltiges Chaos, doch meine Begleiterinnen fanden ihre Dinge sofort.
Wieder kam ich mir vor wie in einem Woody Allen- oder einem Fellini-Film. Die guten Stühle waren schon alle besetzt durch mehrheitlich sehr fettleibige Damen und Herren, wohl aus dem Antik – Business. Nur einen von ihnen zu beschreiben wäre schon ein ganzes Blog Thema. Wegen meinem Umweg waren wir zu spät für einen guten Platz, wir reservierten drei Metallstühle für uns.
In einer hinteren Halle waren die Lose für die „stille Auktion“. May erklärte mir dieses System. An jeder Schachtel und an jedem Tablett hing ein Zettel, auf dem man seine Angebote und seine persönliche Nummer notiert. Ein neues Angebot musste höher sein als das alte. Da gab es da alles zu ersteigern: Brockenhaus und Trödlerladen.
Vorne begann die Live Versteigerung. Es waren etwa 350 Lose, doch wir mussten nur bis 156 bleiben, die letzte Nummer, für die May bieten wollte. Auf der Leinwand erschien das Katalog-Bild mit Nummer, eine zweite Kamera war Live geschaltet, ein Angestellter präsentierte die Ware, und der Auktionator rief irrsinnig schnell die Angebote, machte Kaufstimmung, bestimmte den nächsten Preisschritt und machte manchmal einen Spruch, wenn die Bieter nicht mehr wollten. Die Frau neben ihm kontrollierte das Ganze, machte ihn auf Kopfnicker und andere Zeichen aufmerksam und verkehrte mittels Gesten mit den Bietern. Das alles ging in rasendem Tempo vor sich und wurde mit einem „SOLD“ (verkauft) abgeschlossen. Die Nummer des Käufers kam auf die Etikette, und der Preis in den Computer.
Nach etwa 100 Losen (1 ½ Stunden) gab es eine Pause. Ich war inzwischen schon halb erfroren in meinen regenfeuchten Kleidern, in der ungeheizten Halle mit dem Betonboden. Die Bieter verzogen sich nun in den Raum mit der stillen Auktion. Nach eine Viertelstunde wurde dort die Zeit ausgezählt wie in einem Boxring: keine weiteren Angebote mehr, die Käufer waren jetzt bestimmt.
Die Auktion ging vorne weiter, die zwei Hauptpersonen hatten gezauscht. May ersteigerte schliesslich einen Posten Strumpkugeln, einen Posten altes Kinderspielzeue und eine elektrische „Leichtgewichts Singer Nähmaschine“ aus Plastik. Was Mary ersteigert hatte, fand ich nicht heraus. May und Mary gehen seit Jahren zum Spass an diese Auktionen. Sie kennen inzwischen fast alle Leute da.
Wie man seine Sachen erhält, bezahlt, und wie alles kontrolliert wird, interessierte mich nicht mehr, inzwischen schlotterte ich nur noch. Auf der Rückfahrt heulte die Heizung im Truck, aber warm wurde mir nicht. Die zwei Frauen besprachen nochmals die Auktin, nahmen die Bieter und das Personal durch.
In der folgenden Nacht musste ich alle meine alten Überlebens-Techniken anwenden, um in meinem Schlafsack im ungeheizten Zimmerchen nicht ganz zu erfrieren. Doch schon am nächsten Morgen schon war ich stolz darauf, dass ich das ganze Erlebnis ohne jeden Schaden überstanden hatte.
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