Heute Nachmittag bin ich hier in Beatty, gerade ausserhalb dem Death Valley Nationalpark, angekommen. Gestern Abend habe ich per Internet im Motel 6 ein Zimmer gebucht, dem Hotel, das der „Lonely Planet“ passabel findet. Ich finde es im Vergleich zum Preis und zu meiner gestrigen „Wüstenunterkunft“ sogar gut.
Zum Nachtessen bin ich ins Casino „Stagecoach“ (Nevada!) gegangen, hundert Meter vom Motel weg. Vor dem Hotel- und Casino Eingang hatten gerade zwei Harleytypen ihre schweren Maschinen parkiert, und sie selber standen so, dass ich nur mit Mühe an ihnen vorbei zu den Türen kam. Ich hätte etwas zu ihnen gesagt, hätten sie nicht so gefährlich ausgesehen. Ich bin nicht sehr mutig gewesen.
Das Cafe Rita ist zu hinterst im Gebäude, damit man ,wie bei Denner, zuerst an allen Spielgelegenheiten vorbei gehen muss. Ich hatte Hunger, ich wollte Brot, nicht Spiele. Ich wurde von einer müden jungen Frau in eine Booth gesetzt, das ist etwas wie ein Eisenbahnabteil. Mein Budweiser bekam ich sofort, zum Studieren der Speisekarte liess mir die ältere Serviertochter dann schon ziemlich viel Zeit, nachdem ich mich nicht sofort hatte entscheiden können.
Salat machte mich an, und noch etwas mit Kalorien dazu. Also, ein Chef Salat mit cheese dressing und French Fries, und ein Glas Wasser. Wie schon gesagt, ich hatte Hunger. Seit dem mächtigen Amerikanischen Frühstück „mit allem“ hatte ich nichts mehr gegessen. Dann kam mein Essen: Saat, viel Schinken, viel Huhn, viel gelber Käse und viel roter Käse, Tomaten und oben drauf ein ganzes Ei, und eine Familienportion Pommes. Zu Hause würde eine ganze Familie satt davon. Ich ass bis ich satt war, und dann nochmals weiter, und nochmals weiter, und weiter, bis nichts mehr übrig blieb. Es ging, ich musste mir nur genug Zeit dazu nehmen. Das ist ja mein Ferienmotto: mir einmal für alles genug Zeit zu nehmen.
Im nächsten Abteil sass eine ungeheuer dicke Familie: vom Baby bis zu Mutter und Vater. Die haben auch riesige Mengen bestellt. Aber nicht dass sie aufgegessen hätten, nein sie liessen mehr als die Hälfte stehen, nachdem sie alles gründlich gemischt und zerquetsch hatten. Vielleicht weil sie nur mit einer Hand essen und die andere auf dem eigenen Knie ruhen lassen. Wie kann man aber so dick werden, wenn man so viel stehen lässt? Auch die vier älteren Töfffahrer, die wie direkt aus dem Film gekommen aussahen, assen bei weitem nicht auf. Die waren aber bloss sehr dick. An einem andern Tisch sassen zwei ältere Herren in noch älteren Jeans, und die waren rank und schlank und zwei Meter lang, und die haben fast aufgegessen. Ich müsste die Leute über längere Zeit beobachten können, um daraus klug zu werden.
Noch etwas ist mir aufgefallen: Abgeräumt wird erst, nachdem die Gäste gegangen sind. Die Gemütlichkeit nach dem Essen findet sozusagen um den eigenen Abfallhaufen statt. Vielleicht übernehmen wir bei uns bald auch diese amerikanische Essenssitte.
Auf dem Heimweg habe ich mir noch ein wenig den Spielbetrieb angesehen. Viel läuft nicht mehr, es fehlt auch hier an Geld. Ausser an einem Black Jack Tisch, wo eine lustige Runde sass, sahen alle Spielerinnen und Spieler an den Maschinen eher traurig aus. Sie sind wohl auch im wahren Leben die Looser.
Die zwei Altrocker vom Eingang waren unterdessen mit ihren Maschinen in die Wüste gedonnert. Ich weiss nicht, ob ich diesmal etwas zu sagen gewagt hätte, so weit weg von meinen eigenen Leuten.
Jetzt ist mir schon wieder etwas wohler, nach dem Blog Schreiben. Die Amerikaner sind schon sehr schlau, sie essen nur so lange, wie sie Hunger haben.

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