Samstag, 19. März 2011

Mein GPS (Global Positioning System = weltweite Positionsbestimmung)

Ich will nicht verloren gehen in Californien, nicht im Wald, nicht in den Bergen und nicht in der Wüste. Deshalb habe ich ein GPS Gerät gekauft. Meine Idee war, das Gerät so einsetzen zu können, dass ich im schlimmsten Fall den Rückweg zum Anfangspunkt einer Wanderung wieder finden kann. Kollegen zu Hause benützen das GPS schon lange, und ich dachte, ich würde den Gebrauch von ihnen lernen können. Es kam anders, ich erhielt mein GPS erst in Palo Alto, noch original verpackt, mit englischen Anleitungen.

Auspacken, Batterien einsetzen, die ersten Seiten der Anleitung lesen, anstellen. Das ging relativ leicht, und bald erhielt ich die ziemlich exakten Angaben der geografischen Länge und Breite meiner Position. Das ist erstaunlich, aber es nützt mir nicht viel. Die Karte im Gerät umfasste ganz USA oder die ganze Welt, aber leider keine Details. Die waren auf einer DVD, und mein Netbook hat keinen Diskdrive. May, meine Gastgeberin in Palo Alto, hat einen Mac, und sie kann knapp E-Mails versenden, sie konnte mir da nicht helfen.

Hier oben im Wald, in Annapolis, traf ich auf meinen Mitwwoofer Jonas, einen Studenten mit einem Notebook, und er konnte mir meine 2 DVDs auf meinen Stick laden, und siehe, vom Stick aus konnte ich nach einigem Üben die Karten auf mein Netbook übertragen. Dann musste ich die winzige SD-Karte im Gerät austauschen und die Übertragungsprogramme von der DVD studieren. Dann noch das Verbindungskabel anschliessen. Nach ein paar erfolglosen Versuchen gelang es mir, die nötigen Kartenblätter auf das GPS zu übertragen. Nun erschienen auch Waldwege auf dem Display, und ich war richtig stolz auf mein Werk.

Ich suchte die Funktionen „TRACK“ und TRACKBACK“, von denen ich nur wusste, dass es sie gibt, und dann übte ich damit, in der Stube, dann ums Haus herum. Mit der Zeit funktionierte es. Es wurde Zeit, mit dem GPS in den Wald hinaus zu gehen.

Als es einmal nicht regnete, packte ich mein Rucksäcklein (Regenschutz, Fotoapparat, GPS – Gerät samt Anleitung, und ein wenig Schokolade, und einen Plastiksack, falls ich Pilze finden sollte). Dazu ein Stecken. Meine Gastgeberin Sharon empfahl mir diesen gegen die Berglöwen, vor denen man nicht fliehen solle, weil sie einem dann nachrennen würden. Ich dachte eher an Hunde. Eine Stunde lang folgte ich verschiedenen Waldstrassen und aufgegebenen Forstpisten, über Baumstämme und durch Gebüsche, mit einigen Abzweigungen. Auf dem ganzen Weg begegnete ich niemanden, und die meisten Wege schienen seit Jahren nicht mehr benützt worden sein. Auf dem GPS wurde mein Weg laufend aufgezeichnet. Am Anfang kontrollierte ich laufend, später nur noch bei den Abzweigungen, und dann liess ich das Gerät ganz in meiner Gesässtasche.

Nach einer Stunde machte ich Halt, die zugewachsene ehemalige Holzpiste hörte vor einem Abgrund auf, und ich wollte sowieso umkehren. So stellte ich um auf „BACKTRACK“, auch das funktionierte. Alle paar hundert Meter klingelte es in der Gesässtasche, ein Zeichen dafür, dass ich auf dem richtigen Rückweg war. Ich hätte meinen Weg wohl auch sonst gefunden (nicht so ganz sicher), aber so war es ein Kinderspiel. Mit dem Stock verscheuchte ich einmal einen Hund. Vergessen mitzunehmen hatte ich: Sackmesser, Handynummern, Ersatzbatterien, Geld und Ausweise.

Zwei Tage später, als es wieder einmal nicht regnete, machte ich Übung Nummer zwei: diesmal ging ich querfeldein. Das ist hier nicht so einfach. Fast überall hier ist es verdammt steil und oft rutschig, und die Gebüsche, speziell die Huckleberries, sind fast undurchdringlich. Das ist schon beinahe ein Abenteuer. Am besten geht es, wenn man einer zugewachsenen alten Piste folgt. Diese sind entweder horizontal, oder dann haben sie min. 25% Steigung, und oft geht es durchs Gebüsch. Aber ich bin auch andere Böschungen hinauf und herunter geklettert. Ich versuchte, mich unterwegs nach Gefühl zu orientieren. Nach etwa einer Stunde nahm ich dann doch mein GPS zu Hilfe, und ich sah, dass ich schon wieder in der Nähe einer Forststrasse war. Bald kam die Zivilisation: das Wrack eines Jeeps. Und dann die mir bekannte Strasse, die zu unserem Haus hinunter führt.

Die für mich wichtigsten Funktionen beherrsche ich jetzt schon fast ein wenig, und ich kann auch die Restaurants, die Läden und die Banken finden. Nur müsste ich stundenlang zu Fuss gehen, um einen solchen Ort zu erreichen.

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